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Euphorie-Jagd (Singapur):

Das Rendite-Gift

Wie die Angst, etwas zu verpassen, Ihr Depot in den Abgrund reißt.

Stellen Sie sich vor, alle Ihre Freunde feiern eine wilde Party. Nur Sie sitzen allein und mit laufender Nase auf dem Sofa. Siedenken: "Ich verpasse gerade das Event des Jahres – vielleicht sollte ich trotz Krankheit hingehen!" Dieses Gefühl nennt man FOMO ("Fear of Missing Out"). Es ist die irrationale Angst, etwas zu verpassen – ohne zu wissen, ob es sich überhaupt lohnt. An der Börse wirkt dieses Gefühl wie ein Brandbeschleuniger für falsche Entscheidungen.

Wenn Kurse wie Raketen steigen, setzt bei vielen der Verstand aus. Die Forscher Arvid GUPTA und Sameer SHRIVASTAVA zeigen in ihrer Arbeit, wie gefährlich dieser Zustand für Ihr Depot ist.

In ihrer Untersuchung ließen die Experten Testpersonen Investments tätigen. Die Teilnehmer sahen verschiedene Angebote mit unterschiedlicher Qualität. Ein Teil der Gruppe stand unter Zeitdruck und sah, wie andere bereits massiv zugriffen. Die Forscher maßen dabei genau, welche Merkmale einer Investmentoption die Kaufentscheidung beeinflussten. Sie wollten wissen: Bleiben Anleger bei Stress sachlich oder blenden sie Gefahren einfach aus? Dabei kam heraus, dass das Gehirn unter dem Druck der (möglicherweise) verpassten Chance die Logik einfach über Bord wirft.

Was die Forscher hier herausfanden, lässt uns das eigene Depot mit anderen Augen sehen. Normalerweise achten kluge Anleger auf harte Fakten. Sie prüfen Bilanzen oder das Team hinter einer Firma. Doch sobald die Angst vor dem Ausschluss regiert, verschwimmen diese Signale. Die Probanden ignorierten plötzlich Warnzeichen. Gupta und Shrivastava belegten, dass gute Hinweise auf Qualität völlig an Bedeutung verlieren. Stattdessen zählt nur noch eins: Schnell dabei sein, bevor der Zug ohne mich abfährt! Es ist wie ein Tunnelblick. Man sieht das Licht am Ende, merkt aber nicht, dass es ein entgegenkommender Zug ist.

Besonders bei neuen Trends wie Krypto oder angesagten Tech-Aktien schlägt die Falle zu. Wenn die Euphorie kocht, wirkt ein seriöser Prüfbericht plötzlich langweilig. Wer will schon Zahlen lesen, wenn der Nachbar gerade sein Geld verdoppelt hat? Die Studie zeigt: In solchen Momenten halten wir uns für schlau, sind aber nur Opfer unserer Triebe.. Der soziale Druck wirkt dabei als Treiber. Wir wollen zur Gruppe der Gewinner gehören. Dass diese Gruppe gerade womöglich kollektiv auf eine Klippe zusteuert, blenden wir dabei aus.

Der Schaden für das Depot ist oft gewaltig. Man kauft bei maximaler Euphorie, wenn die Party am lautesten ist. Kurz darauf folgt meist der Kater. Die Kurse sacken ab, und das Geld ist weg. Wer aus Angst vor dem Verpassen kauft, zahlt fast immer einen zu hohen Preis. Man verliert die Sicht für das Risiko. Ein Depot braucht aber einen kühlen Kopf als Wächter.

Es hilft nur radikale Disziplin. Man muss lernen, dem Markt beim Steigen zuzusehen, ohne nervös zu werden. Reichtum entsteht nicht durch das Jagen jeder Chance. Er entsteht durch das Vermeiden großer Fehler. Wer die Mechanismen der Angst versteht, kann den Stopp-Knopf drücken. Es ist völlig in Ordnung, eine Party zu verpassen, wenn das Haus am Ende noch steht. Wahre Stärke zeigt sich darin, Nein zu sagen, wenn alle anderen laut Ja schreien.

Fazit: Die Angst vor dem Verpassen macht blind für echte Qualität und führt oft zu teuren Fehlgriffen im eigenen Aktiendepot.