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Ramadan (Malaysia):

Wenn Fasten die Märkte verändert

Wie der Fastenmonat die Stimmung an den Börsen beeinflusst.

Manchmal geschieht das Unerwartete an Orten, wo man es am wenigsten vermutet: an der Börse. Die Forscher Ya-Wen LAI und Atif WINDAWATI wollten wissen, ob religiöse Rituale wie der Ramadan auch die Finanzmärkte bewegen. Und sie fanden Erstaunliches: Während der Fastenzeit sinkt das Risiko, die Kurse schwanken weniger, und die Stimmung an den Märkten wirkt – ja – friedlicher.

Die Studie "Ramadan Effect on Risk, Return and Liquidity in Malaysia and Indonesia" (2017) untersuchte zwei überwiegend muslimische Länder, Malaysia und Indonesien, über einen Zeitraum von 15 Jahren. Analysiert wurden tägliche Indexdaten, Handelsvolumen und Renditen während und außerhalb des Ramadans. Das Forscherteam nutzte klassische Marktmodelle, GARCH-Analysen und Liquidity-Spreads, um Veränderungen im Verhalten von Investoren zu messen. Ziel war es, herauszufinden, ob der religiöse Kontext messbare psychologische Spuren in der Preisbildung hinterlässt. Und tatsächlich: Die Zahlen sprechen eine klare Sprache.

In beiden Ländern waren die Renditen während des Ramadans im Schnitt leicht höher, das Risiko jedoch deutlich geringer. Die tägliche Volatilität fiel in Malaysia um rund 30 Prozent, in Indonesien sogar um knapp 40 Prozent. Das Handelsvolumen nahm ab – weniger hektisches Kaufen und Verkaufen, weniger Nervosität. Die Forscher erklären diesen Effekt mit einer Veränderung der Stimmung: mehr Ruhe, mehr Disziplin, mehr Gelassenheit. Religiöse Achtsamkeit scheint das Investieren zu entschleunigen. Investoren handeln überlegter, lassen sich weniger von Panik oder Euphorie treiben.

Ein Beispiel aus der Praxis: In Kuala Lumpur fiel die Zahl der Transaktionen am Vormittag um fast die Hälfte, die Nachmittage wurden zum ruhigsten Handelsfenster des Jahres. Trotzdem stieg der KLCI-Index in den meisten Ramadan-Perioden leicht an – ein Zeichen dafür, dass weniger Aktivität nicht gleichbedeutend mit geringerer Rendite ist. Wer geduldig blieb, profitierte sogar von stetigen Aufwärtsbewegungen, die ohne großes Aufsehen verliefen.

Psychologisch erinnert das an eine kollektive Entschleunigung. Der Markt spiegelt, was im Alltag passiert: Achtsamkeit, Verzicht und innerer Fokus. Die Autoren beschreiben, dass während des Ramadans die emotionalen Extreme abflachen. Anleger reagieren weniger auf kurzfristige Nachrichten und konzentrieren sich stärker auf Grundwerte – im doppelten Sinn. Diese "Marktgelassenheit" führt zu einem stabileren Preisgefüge. Ein schönes Beispiel dafür, dass Gefühle – selbst positive – in Zahlen messbar sind.

Der Ramadan-Effekt hat jedoch auch Grenzen: Direkt nach dem Fest des Fastenbrechens steigt die Aktivität sprunghaft an. Die Kurse zeigen oft eine kurze "Nachholbewegung". Wer das weiß, kann darauf reagieren: Positionen vorsichtig anpassen, Gewinne sichern, und vor allem – nicht überrascht sein!

Fazit

Die Studie zeigt, wie stark kollektive Stimmung das Verhalten an Märkten prägen kann. Rituale, Werte und Kultur sind kein Beiwerk, sondern Teil des ökonomischen Pulsschlags. Wer Gelassenheit als Strategie begreift, entdeckt, dass Ruhe manchmal der beste Renditetreiber ist.

Diese Ergebnisse lassen sich auch jenseits religiöser Kontexte deuten. Wenn Millionen Menschen bewusster leben, spiegelt sich das auch in ökonomischen Entscheidungen. Weniger Stress, weniger Lärm, mehr Fokus – das scheint ansteckend zu wirken, selbst bei Anlegern, die gar nicht fasten. In den Daten zeigte sich, dass die internationalen Investoren in Malaysia während des Ramadans ebenfalls ruhiger agierten.

Das zeigt: Märkte sind nicht isoliert. Sie reagieren auf soziale Rhythmen. Und vielleicht ist genau das die stille Lehre dieser Studie – dass Gelassenheit ansteckend ist. Wer sich nicht von jeder Welle tragen lässt, schwimmt oft weiter.