Angst vor Rekordkursen? Ihr teuerster Fehler!
Wer bei Aktien auf den Rücksetzer hofft, verpasst oft die besten Gewinne.
Sie kennen dieses Gefühl sicher gut. Sie beobachten eine interessante Aktie. Der Kurs klettert immer weiter nach oben. Er erreicht einen neuen Höchststand. Ein Rekord. Ihr Bauchgefühl meldet sich sofort zu Wort: "Stopp. Das ist jetzt viel zu teuer." Sie warten lieber ab. Sie hoffen auf einen Rücksetzer. Ein Schnäppchen wäre doch viel schöner. Doch der ersehnte Knick im Chart kommt nicht. Der Kurs steigt einfach weiter. Und Sie stehen an der Seitenlinie und schauen den Gewinnen hinterher.
Dieses Zögern und Zähneknirschen ist menschlich, aber es kostet Anleger jedes Jahr unfassbar viel Geld. Es ist ein klassischer Denkfehler. Wir kleben gedanklich an alten Preisen fest.
Die Finanzforscher Jianfeng LI und Jialin YU haben dieses Phänomen genau unter die Lupe genommen. Ihre wissenschaftliche Arbeit trägt den Titel "Investor Attention, Psychological Anchors, and Stock Return Predictability". Sie wollten verstehen, warum unser Gehirn uns bei Höchstständen so oft austrickst und wie sich das auf unseren Geldbeutel auswirkt.
Für ihre umfassende Analyse nahmen sich die Forscher den riesigen US-Aktienmarkt vor. Sie blickten tief in die Datenhistorie der Börse. Ihr Fokus lag dabei auf dem sogenannten "52-Wochen-Hoch". Das ist der höchste Kurs, den eine Aktie im letzten Jahr erreicht hat.
Li und Yu prüften über viele Jahre hinweg, wie sich Aktien verhalten, die sehr nahe an dieser Marke notieren. Sie verglichen diese Werte mit Aktien, die weit von ihrem Rekord entfernt waren. Dabei rechneten sie diverse andere Risikofaktoren heraus, um ein absolut glasklares Bild zu erhalten.
Das Ergebnis dieser Untersuchung verblüfft viele Sparer: Aktien, die nahe am Höchststand notieren, sind im Normalfall keine Gefahr für Ihr Depot. Sie sind eine echte Chance. Die Studie zeigt eindeutig: Diese Papiere laufen in den Folgemonaten oft deutlich besser als der Rest des Marktes.
Aber warum ist das so? Hier spielt uns die Psychologie einen Streich. Der Mensch sucht Halt. Er nutzt den vergangenen Kurs als "Anker". Wenn eine Aktie von 50 auf 100 Euro steigt, wirkt die 100 extrem hoch auf uns. Wir können oft nicht glauben, dass es noch weiter rauf geht.
Deshalb reagieren viele Anleger bei guten Nachrichten viel zu verhalten. Sie kaufen nicht genug. Der Preis der Aktie steigt zwar, aber weniger stark, als er eigentlich müsste. Er bleibt unter seinem wahren Wert. Erst mit der Zeit begreift der Markt die neue Lage komplett. Dann zieht der Kurs kräftig nach. Wer sich von seiner Höhenangst leiten lässt, verpasst diesen zweiten Anstieg komplett.
Ein Beispiel macht die Sache klar. Eine Firma meldet tolle Zahlen. Der Kurs springt auf ein Jahreshoch. Viele denken jetzt: "Lieber erst mal Kasse machen." Das bremst den Anstieg künstlich ab. Doch die Firma ist gesund. Der Trend ist stark. Wer jetzt mutig einsteigt, profitiert von der Kraft des Marktes. Wer auf den Rücksetzer wartet, bleibt oft am Bahnhof stehen, während der Zug längst abfährt.
Das Problem sitzt tief in unseren Köpfen. Wir vergleichen den aktuellen Preis immer mit dem, was wir früher gesehen haben. Das ist der mentale Anker. Liegt der neue Preis weit über dem Anker, schlägt unser Gehirn Alarm. Es schreit: "Vorsicht!" Dabei ignorieren wir oft die Fakten. Vielleicht hat die Firma gerade ein neues Produkt erfunden. Vielleicht sprudeln die Gewinne wie nie zuvor. Der Preis muss dann höher sein. Aber der Anker hält uns fest am Boden.
Li und Yu belegen, dass genau diese Skepsis eine Goldgrube für schlaue Rechner ist. Da die Masse zögert, ist die Aktie eigentlich noch zu billig. Sie kaufen also einen Wert mit Rabatt, obwohl er am Hoch steht. Das klingt paradox. Aber es ist logisch. Sie nutzen die Blindheit der anderen für Ihren eigenen Profit.
Lösen Sie sich von alten Preisen. Was eine Aktie gestern gekostet hat, ist für heute egal. Wichtig ist nur die Zukunft. Ein Allzeithoch ist kein Warnschild. Es ist oft ein Gütesiegel für Qualität. Es zeigt Stärke. Natürlich gibt es an der Börse keine Garantie. Aber die Statistik spricht klar für die Gewinner.
Nutzen Sie dieses Wissen aktiv für Ihr Depot. Streichen Sie Sätze wie "Die ist schon zu gut gelaufen" aus Ihrem Kopf. Trauen Sie sich, Stärke zu kaufen! Oft sind die vermeintlich teuren Aktien am Ende die günstigsten, weil sie noch viel Luft nach oben haben.
Fazit: Höhenangst ist an der Börse ein schlechter Ratgeber. Die Studie beweist, dass Aktien am Hoch oft weiter steigen. "Lichten" Sie den mentalen Anker und lassen Sie Ihre Gewinne laufen.