Sicher investieren – oder nur sicher fühlen?
Warum viele Anleger bei Staatsanleihen nicht rational handeln.
In einer Studie von Gábor KUTASI, László GYÖRGY und Krisztina SZABÓ (2018) wird gezeigt: Viele Privathaushalte handeln bei Staatsanleihen nicht wie reine Renditejäger. Stattdessen spielen Sicherheit, Heimatgefühl und Nachfragen bei Freunden eine große Rolle.
Kurz zur Untersuchung: In zwei Runden – erst vom 18.–24. Oktober 2016 mit 2.002 Befragten, dann vom 22.–29. Oktober mit 2.005 Befragten – wurden repräsentativ ungarische Haushalte telefonisch befragt (CATI‑Methode). Dabei wurde u. a. erfragt, wie sie über Sparanlagen denken, welche Risikobereitschaft sie haben und wie sie bei Anleihen entscheiden.
Die Ergebnisse überraschen: Rund 90 % der Haushalte sagten, sie wollten vor allem Sicherheit – hohe Renditen spielten oft eine untergeordnete Rolle. Ein Drittel der Befragten, die Anlagen hielten, verfolgte diese nicht einmal aktiv weiter. Und: Mehr als 25 % fanden, dass Ungarn durch den Kauf ungarischer Staatsanleihen seine Pflicht gegenüber dem Heimatland erfülle – ein eindeutiger Hinweis auf Heimatpräferenz ("Home Bias") und Patriotismus.
Zudem zeigte sich: Je höher das Einkommen, desto wahrscheinlicher war es, dass ein Anleger Informationen online oder von Beratern holte. Umgekehrt griffen jüngere Anleger eher auf Freunde oder Bekannte zurück – ein klassisches Zeichen für Herdenverhalten.
Was heißt das konkret für Ihr Handeln?
Erstens: Prüfen Sie, ob Sie aus Heimatliebe oder Trend folgen – oder wirklich anhand von Fakten entscheiden.
Zweitens: Sorgen Sie dafür, dass Sie Ihre Anlagen aktiv verfolgen – wer seine Positionen kaum anschaut, fährt oftmals blind mit.
Drittens: Nutzen Sie Ihre höhere Informations‑ und Beratungskraft (falls vorhanden) bewusst – sie kann Herdenverhalten einschränken.
Der Clou: Die Studie zeigt nicht nur, dass psychologische und soziale Faktoren eine Rolle spielen – sie zeigt auch, je mehr Routine und Wissen vorhanden sind, desto weniger handelt man impulsiv. Wenn Sie also Ihre eigene Finanzkompetenz stärken, drücken Sie auf den Hebel, der viele Privatanleger in Ungarn zu Entscheidungen bewegt, die nicht rein rational sind.
Fazit: Entscheiden Sie bewusst – nicht emotional. Behalten Sie Ihre Anlagen im Blick. Fragen Sie: Treffe ich diese Entscheidung, weil ich es will – oder, weil es bequem ist? Denn das ist der Unterschied zwischen luck und langfristiger Kontrolle.