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ETF-Falle (USA):

Die stille Falle der Trend-ETFs

Warum spannende Trends oft zum falschen Zeitpunkt gekauft werden.

Ein neuer ETF taucht auf. Clean Energy, KI oder Cybersecurity. Alles klingt nach Zukunft und Fortschritt. Genau hier beginnt ein Fehler, der viele Anleger später teuer zu stehen kommt – leise und oft völlig unbemerkt.

Die Forscher Itzhak BEN-DAVID, Francesco FRANZONI, Byungwook KIM und Rabih MOUSSAWI haben dieses Verhalten genau untersucht. Ihr Ergebnis ist eindeutig: Anleger springen besonders gern auf Themen auf, die gerade stark im Fokus stehen. Und genau dieses Verhalten kostet Rendite. Der Grund dafür ist erstaunlich menschlich. Menschen lieben gute Geschichten. Ein ETF mit einem starken Thema liefert genau das. Er erzählt von Wachstum, Wandel und Chancen. Das fühlt sich logisch an und vermittelt Sicherheit. Doch der Markt funktioniert nicht so einfach.

Viele dieser spezialisierten ETFs kommen erst dann auf den Markt, wenn das Thema bereits gut gelaufen ist. Die Kurse sind zu diesem Zeitpunkt oft schon gestiegen, die Erwartungen hoch. Wer dann einsteigt, kauft häufig genau dann, wenn das Potenzial bereits ausgeschöpft ist. Die Studie zeigt klar: Spezialisierte ETFs entwickeln sich nach ihrem Start deutlich schwächer als breite ETFs. Besonders in den ersten Jahren bleibt die Rendite hinter den Erwartungen zurück – vor allem im Verhältnis zum eingegangenen Risiko.

Ein anschauliches Beispiel: Ein Wasserstoff-ETF wird populär. Medien berichten täglich, Kurse steigen stark. Anleger steigen ein, weil sie nichts verpassen wollen. Doch kurz darauf kühlt sich das Thema ab. Die Erwartungen waren zu hoch, die Kurse geben nach. Die anfängliche Euphorie weicht der Ernüchterung. Was hier wirkt, ist kein offensichtlicher Denkfehler. Es ist ein subtiler Effekt: Anleger neigen dazu, aktuelle Entwicklungen einfach in die Zukunft fortzuschreiben. Wenn etwas steigt, wird angenommen, dass es weiter steigt. Das wirkt logisch, ist aber oft trügerisch.

So lief die Untersuchung ab: Die Forscher analysierten eine große Zahl von ETFs am US-Markt. Sie unterschieden zwischen breit gestreuten und spezialisierten Produkten. Dann untersuchten sie Mittelzuflüsse, Gebühren und spätere Renditen. Zusätzlich werteten sie Daten zu Medienpräsenz und Anlegerinteresse aus. Auch Suchanfragen und Marktbewegungen flossen in die Analyse ein. So konnten sie erkennen, was die Entscheidungen der Anleger beeinflusst.

Das Ergebnis: Aufmerksamkeit hat oft mehr Gewicht als rationale Kriterien. Ein weiterer wichtiger Punkt: Spezialisierte ETFs sind häufig teurer. Anleger zahlen also höhere Gebühren – und erhalten gleichzeitig oft eine schwächere Entwicklung. Das verschärft den Effekt zusätzlich. Breite ETFs funktionieren anders. Sie wirken unspektakulär. Keine große Story, kein Trendthema. Dafür sind sie stabil, breit gestreut und langfristig oft erfolgreicher.

Interessant ist auch: Anleger reagieren stärker auf Aufmerksamkeit als auf Kosten. Ein ETF, der oft in Medien auftaucht, zieht mehr Kapital an – selbst wenn er teurer ist oder schlechter abschneidet. Das kennt man auch aus dem Alltag. Dinge, die auffallen, wirken automatisch attraktiver. Doch Aufmerksamkeit ist kein Qualitätsmerkmal. Wer nur auf Themen setzt, läuft oft einem Trend hinterher, der seinen Höhepunkt bereits überschritten hat. Es fühlt sich an, als wäre man früh dran – tatsächlich ist man oft zu spät.

Fazit: Der entscheidende Punkt ist nicht, ob ein ETF gekauft wird, sondern warum. Wer sich von Trends leiten lässt, zahlt häufig einen hohen Preis. Wer dagegen ruhig bleibt und auf breite Streuung setzt, schafft sich bessere Voraussetzungen für langfristigen Erfolg. Weniger Hype, mehr Substanz – genau darin liegt die Stärke.