Alle reden darüber – und Sie verlieren Geld
Warum Sie genau dann kaufen, wenn es am teuersten ist.
Es beginnt oft harmlos. Ein neues Unternehmen geht an die Börse. Die Medien berichten. Große Titel. Klare Worte. Viel Tempo. Und plötzlich entsteht ein Gefühl: "Da passiert etwas Wichtiges." Genau hier setzt eine spannende Studie an.
Die Forscher Brian BUSHEE, Matthew CEDERGREN und Jeremy MICHELS zeigen: Viele Anleger kaufen nicht wegen harter Fakten. Sie kaufen, weil etwas sichtbar ist. Weil es überall auftaucht. Weil es glänzt. Und dieser Glanz kann teuer werden. Die Studie schaut sich Börsengänge genau an. Genauer gesagt: die Phase direkt nach danach. Diese Zeit nennt man "Quiet Period". In dieser Phase gibt es noch wenig harte Zahlen. Aber: Die Medien berichten trotzdem. Und genau das verändert das Verhalten vieler Anleger.
Die Forscher zeigen klar: Je mehr Berichte erscheinen, desto mehr kaufen private Anleger. Das klingt erst einmal logisch. Doch hier kommt der Twist: Es spielt kaum eine Rolle, ob die Berichte gut oder schlecht sind. Hauptsache sichtbar. Das ist der eigentliche Glitzer-Effekt.
Ein Beispiel: Ein Start-up geht an die Börse. Ein Artikel lobt die Chancen. Ein anderer warnt vor Risiken. Beides führt dazu, dass mehr Menschen kaufen. Nicht, weil sie überzeugt sind. Sondern weil sie aufmerksam geworden sind. Das Ergebnis? Viele steigen ein, bevor echte Zahlen vorliegen. Und genau hier liegt das Problem.
Wenn später die ersten Geschäftszahlen kommen, zeigt sich oft ein anderes Bild. Die Studie misst die Reaktion der Kurse auf diese ersten Zahlen. Und sie zeigt: Aktien, die vorher stark von Privatanlegern gekauft wurden, schneiden danach schlechter ab.
Kurz gesagt: Erst kaufen viele wegen Schlagzeilen. Dann kommt die Realität. Und die fällt oft ernüchternd aus.
Der Ablauf der Studie ist klar und sauber aufgebaut:
Die Forscher untersuchen fast 1.000 Börsengänge zwischen 2007 und 2016. Sie verbinden Börsendaten mit Medienberichten. Sie messen, wie stark private Anleger kaufen. Sie prüfen, ob die Berichte positiv oder negativ sind. Dann vergleichen sie die Kursreaktionen bei den ersten echten Zahlen. So entsteht ein klares Bild: Medien treiben Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit treibt Käufe.
Besonders spannend: Der Effekt verschwindet später wieder. Nach etwa einem Jahr ist kaum noch ein Zusammenhang zu sehen. Das zeigt, wie stark dieser Fehler an eine bestimmte Phase gebunden ist. Das ist wichtig für jedes Depot.
Denn der Schaden entsteht nicht durch "falsche Aktien". Sondern durch falsches Timing. Anleger steigen ein, wenn es laut ist. Nicht, wenn es sinnvoll ist.
Man könnte sagen: Viele kaufen im Scheinwerferlicht - und zahlen dafür den Aufpreis. Und genau das ist der Kern der Studie. Der Glitzer-Effekt wirkt schnell. Er wirkt leise. Und er wirkt auf fast jeden. Doch er lässt sich bremsen. Ein einfacher Gedanke hilft: Sichtbarkeit ist kein Wert. Nur weil etwas oft erwähnt wird, ist es nicht besser. Es ist nur präsenter. Ein Anleger, der das versteht, gewinnt sofort einen Vorteil. Er wartet. Er prüft. Er lässt den Lärm abklingen. Und genau dort beginnt kluges Handeln.
Fazit: Die Studie von Bushee, Cedergren und Michels zeigt eindrucksvoll, wie stark Medien die Käufe von Privatanlegern beeinflussen – selbst ohne echte neue Informationen. Wer nach Schlagzeilen kauft, steigt oft zu früh ein und zahlt den Preis, wenn die Realität folgt. Der beste Schutz ist einfach: Ruhe bewahren, warten und erst dann handeln, wenn echte Zahlen auf dem Tisch liegen.