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Renditejagd (Tschechien):

Was gestern lief, kostet sie morgen Geld

Warum Renditejagd oft nach hinten losgeht – und wie man es besser macht.

Sieht man anderen beim Gewinnen zu, will man selbst mitspielen. Dieser Impuls ist uralt – und an der Börse brandgefährlich. Denn wer der Rendite anderer hinterherläuft, rennt oft ins Leere. Genau das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Tschechischen Nationalbank: Anleger in Tschechien investieren systematisch dort, wo es zuletzt gut lief – und schichten zu spät um, wenn es bergab geht.

Die Forscher des CNB Research Teams haben für ihre Studie eine riesige Datenbasis genutzt: monatliche Zu- und Abflüsse privater Gelder in tschechische Investmentfonds über mehrere Jahre. Mit diesen Aufsichts- und Marktdaten ließen sich konkrete Muster erkennen – nicht Meinungen, sondern echtes Verhalten. Die Wissenschaftler prüften, ob Anleger in Phasen mit hohen Renditen mehr Kapital in Fonds lenken – und ob sie in schwachen Zeiten aussteigen. Das Ergebnis war eindeutig: Geld folgt Erfolg, nicht Vernunft.

Die Untersuchung lief in mehreren Schritten. Zunächst wurden alle Fondsbewegungen aus dem Aufsichtsdatensatz der Nationalbank extrahiert. Dann verknüpften die Forscher diese Bewegungen mit Performance-Daten der Fonds über Monate und Jahre. Anschließend verglichen sie, wie stark positive oder negative Renditen die Mittelzuflüsse beeinflussten.
Die Auswertung zeigte: Nach Phasen hoher Erträge strömten neue Gelder herein – im Durchschnitt um 15 Prozent stärker. Nach Verlustphasen schrumpften die Zuflüsse deutlich oder kippten in Abflüsse. Kurz: Anleger reagieren wie bei einem Modetrend – erst, wenn es schon zu spät ist.

Was macht dieses Verhalten so problematisch? Es führt dazu, dass Privatanleger teuer kaufen und billig verkaufen. Wer bei steigenden Kursen einsteigt, hat das Risiko, den Gipfel zu erwischen. Und wer erst nach mehreren schwachen Monaten verkauft, sichert Verluste statt Chancen. Die Forscher sprechen von "performance chasing" – also der Jagd nach vergangenem Erfolg. Das klingt verlockend, ist aber trügerisch: Die besten Fonds der letzten zwölf Monate sind selten die Gewinner des nächsten Jahres.

Ein Beispiel macht es greifbar: Im Jahr 2022 stiegen die Zuflüsse in Fonds mit Energietiteln sprunghaft, nachdem Öl- und Gaspreise explodierten. Nur wenige Monate später fielen viele dieser Werte zurück – die Renditejäger blieben zurück mit Verlusten. Gleichzeitig mieden viele Anleger defensive Fonds, die später stabil blieben. Wer sich von kurzfristigem Glanz leiten lässt, landet im falschen Moment auf der Tanzfläche.

Die Forscher betonen, dass dieses Muster nichts mit Unwissen zu tun hat, sondern mit Psychologie. Menschen fühlen sich wohler, wenn sie mit der Mehrheit liegen. Wer sieht, dass andere Geld verdienen, will dazugehören. Das gibt Sicherheit – bis der Trend kippt. Der Mechanismus ist altbekannt: Euphorie treibt, Angst bremst. Nur in den seltensten Fällen sind rationale Kalküle am Werk.

Was hilft dagegen? Erstens: Regeln statt Impulse. Anleger sollten feste Zeitpunkte fürs Überprüfen und Umschichten festlegen – etwa halbjährlich. Zweitens: Eine klare Strategie, die nicht auf kurzfristige Gewinne, sondern auf langfristige Ziele ausgerichtet ist. Drittens: Automatisierte Sparpläne. Sie glätten Marktschwankungen und nehmen den Druck, ständig nach dem "richtigen Moment" zu suchen.

Fazit: Wer Renditejagd betreibt, läuft Gefahr, sich selbst auszutricksen. Die Studie der Tschechischen Nationalbank zeigt eindrücklich: Anleger handeln oft nicht rational, sondern reflexhaft – getrieben vom Wunsch, dabei zu sein. Wer stattdessen auf Disziplin, feste Regeln und Gelassenheit setzt, ist am Ende oft der ruhigere – und erfolgreichere – Investor.