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Warum Millionen Anleger ständig Geld verschenken.
Millionen Anleger, auch Profis, verschenken ständig und geplant jede Menge Geld. Das mag edel klingen, ist aber dumm.
Forscher wollten verstehen, warum all die Anleger immer wieder dies gleiche Verhalten zeigen: Sie verkaufen Aktien, die im Plus liegen, viel zu schnell. Und sie behalten Papiere, die im Minus stehen, viel zu lange. Dieser Mechanismus trägt den Namen Dispositions-Effekt (Disposition = Planung). Und das Wort passt: Denn die Anleger planen dies Verhalten sogar tatsächlich.
Das zeigte sich sehr konkret in einer Untersuchung der realen Depots von Millionen Anlegern. Untersucht wurden Kauf- und Verkaufsmuster über mehrere Jahre hinweg. Und das Bild war überall gleich: Sobald ein Wert im Plus lag, griffen viele Anleger zum Verkaufsknopf. Sobald ein Wert im Minus lag, hielten sie stur daran fest.
Warum aber ist das so?
Weil viele Aktionäre vorab, zumindest unbewusst, überlegen und quasi "planen", was bei ihrem Depot im Erfolgsfall und im Misserfolgsfall zu tun ist. Und der Hauptgrund dafür liegt in den Gefühlen:
Gewinne lösen Freude aus. Wer eine Aktie verkauft, die im Plus steht, spürt sofort das gute Gefühl, "etwas richtig gemacht zu haben". Der Gewinn wird real, er steht schwarz auf weiß im Konto. Verluste dagegen schmerzen. Niemand will sich eingestehen, dass er mit einem Kauf falsch lag. Darum schieben viele den Verkauf vor sich her. Sie hoffen, dass der Kurs irgendwann wieder dreht und sie ohne Verlust aussteigen können.
Die Studie zeigt allerdings: In den meisten Fällen passiert das nicht. Verluste ziehen sich, und die Aktien, die schon lange schwächeln, laufen auch später eher schlecht. Wer stur wartet, verliert also oft noch mehr Zeit und Geld.
Die Forscher erklären den Dispositions-Effekt mit zwei menschlichen Zügen: Verlustangst und dem Wunsch nach Bestätigung. Wir wollen uns selbst beweisen, dass wir recht hatten. Verkaufen wir im Minus, fühlen wir uns als Versager. Halten wir dagegen fest, bleibt die Chance bestehen, dass wir uns später doch noch als Gewinner fühlen dürfen.
Die Konsequenzen sind fatal. Anleger, die Gewinne zu früh einstreichen, verpassen die großen Kursanstiege. Aktien, die am Anfang nur ein kleines Plus haben, sind oft genau die Titel, die über die Jahre hinweg hohe Renditen bringen. Wer sie zu früh verkauft, verschenkt den eigentlichen Ertrag. Und schlimmer Zusatz-Nachteil: Gleichzeitig binden verlustreiche Aktien Kapital, das woanders viel besser arbeiten könnte.
Die Autoren der Studie geben klare Hinweise, wie man den Dispositions-Effekt erkennt und vermeidet. Ein erster Schritt ist, sich feste Regeln zu geben. Zum Beispiel: "Ich verkaufe eine Aktie nur, wenn sich die Grunddaten ändern." Oder: "Ich setze mir ein Verlustlimit von zehn Prozent, bei dem ich konsequent aussteige." Solche Regeln nehmen das Bauchgefühl aus der Entscheidung.
Ein zweiter Schritt ist, sich regelmäßig die Frage zu stellen: "Würde ich diese Aktie heute, mit dem Wissen von jetzt, neu kaufen?" Wenn die Antwort Nein lautet, sollte man sie verkaufen – egal, ob sie im Minus steht oder nicht.
Die Forscher betonen auch, dass Anleger "lernen" müssen, Gewinne laufen zu lassen. Das fällt schwer, weil es sich gut anfühlt, kleine Erfolge sofort zu sichern. Aber gerade langfristig liegt der Wert darin, starke Titel nicht zu früh aus der Hand zu geben. Historische Daten zeigen: Ein Großteil der Rendite stammt von wenigen großen Gewinnern. Wer die zu früh verkauft, verpasst den Hebel im Depot.
Spannend ist, dass der Disposition-Effekt unabhängig von Erfahrung oder Ausbildung auftritt. Selbst Profis, die täglich mit Aktienmärkten arbeiten, zeigen das gleiche Muster. Der Grund ist, dass der Effekt tief in unserer Psyche verankert ist. Er gehört zum menschlichen Umgang mit Freude und Schmerz. Und genau deshalb ist es so schwer, ihn zu vermeiden – und so wichtig, sich klare Regeln zu geben.
Am Ende macht die Studie deutlich: Erfolg an der Börse hängt nicht nur von Wissen oder Analysen ab. Er hängt auch von der Fähigkeit ab, die eigenen Gefühle zu kontrollieren. Wer Gewinne laufen lässt und Verluste rechtzeitig kappt, verbessert seine Chancen deutlich. Wer dem Dispositions-Effekt folgt, stellt sich finanziell immer wieder selbst ein Bein.