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Reizsuche (USA/Finnland):

Wie der Kick Ihr Depot steuert

Warum mehr Aktion im Depot oft Rendite kostet.

Manchmal fühlt sich Börse an wie ein Spiel. Kurse blinken. Nachrichten jagen sich. Ein Klick in der Trading-App reicht und man wird zum Mitspieler. Genau hier setzt eine spannende Studie an. Die Forscher Mark GRINBLATT und Matti KELOHARJU zeigen: Viele Anleger handeln nicht nur für Geld. Sie handeln für den Kick.

Die Idee ist einfach. Manche Menschen suchen stärker nach Reizen. Sie mögen Tempo. Risiko. Abwechslung. Andere sind ruhiger. Genau diesen Unterschied haben die Forscher gemessen – und mit echtem Börsenverhalten verknüpft. Das Ergebnis ist klar und fast schon unbequem: Wer stärker nach "dem Kick" sucht, handelt deutlich mehr. Nicht ein bisschen mehr. Sondern spürbar öfter. Und genau hier beginnt das Problem.

Ein kleines Bild hilft. Stellen Sie sich zwei Anleger vor. Beide haben das gleiche Depot. Der eine schaut selten rein. Der andere täglich. Jeder Kurs bewegt sich etwas. Jeder Trend reizt. Der zweite Anleger fühlt sich als könnte er dadurch Geld gewinnen. Doch genau dieses Gefühl kostet ihn Geld.

Die Studie zeigt sogar ein überraschendes Detail: Menschen, die öfter zu schnell fahren und dafür Strafzettel bekommen, handeln auch mehr mit Aktien. Ein zusätzlicher Strafzettel erhöht die Chance, regelmäßig zuhandeln um rund zwei Prozent. Das klingt klein – summiert sich aber schnell.

Warum passiert das?

Weil Trading selbst zum Erlebnis wird, nicht nur Mittel zum Zweck. Der Klick wird zur kleinen Belohnung. Das Gehirn liebt diese Abwechslung und will mehr davon. Doch der Markt belohnt das nicht. Im Gegenteil. Die Forscher zeigen: Nach Kosten schneiden diese aktiven Anleger nicht besser ab, sondern eher schlechter. Jeder Trade kostet. Gebühren. Spreads. Steuern. Und oft auch spielt die Aktie an sich schlichtweg nicht mit.

Und noch etwas passiert. Wer oft handelt, trifft öfter Entscheidungen unter Druck. Schnell. Emotional. Aus dem Bauch. Dies erhöht die Chance auf Verlust.

Untersuchungs-Ablauf der Studie:
Die Forscher nutzten umfangreiche Daten aus Finnland und kombinierten echte Depotdaten von Anlegern mit Steuerdaten. Zusätzlich griffen sie auf Verkehrsregister zu. So konnten sie Risikoverhalten im Alltag messen. Dann verknüpften sie diese Daten mit Handelsaktivität. Das Ergebnis: klare Zusammenhänge zwischen Reizsuche und Trading. Und messbare Unterschiede im Verhalten und Erfolg.

Was heißt das für die Praxis? Der größte Fehler ist nicht falsche Analyse. Es ist zu viel Aktion. Viele Anleger denken: Mehr Aktivität bringt mehr Kontrolle, doch die Wahrheit ist oft das Gegenteil.

Ein Beispiel: Eine Aktie steigt stark. Die Versuchung zu kaufen wächst. Kurz darauf fällt sie. Panik. Verkauf. Verlust. Der nächste Trade folgt sofort. Ein Kreislauf entsteht. Die Studie zeigt: Dieser Kreislauf hat wenig mit Wissen zu tun. Er hat viel mit Gefühl zu tun. Und genau hier liegt die Chance. Wer versteht, dass ein Teil seines Handels aus der Reaktion auf äußere Reize entsteht, kann gegensteuern. Nicht durch mehr Wissen. Sondern durch Impulskontrolle.

Fazit: Die Studie von Grinblatt und Keloharju bringt es auf den Punkt: Anleger, die anfällig für Reaktionen auf Reize sind, handeln deutlich risikoreicher und renditeärmer. Der Wunsch nach dem "Kick", wenn der Wert des Geldes rapide steigt, überwiegt der rationalen Analyse der Fundamentaldaten. Weil es sich gut anfühlt. Wer sein Depot im Griff haben will, muss sich selbst verstehen. Denn der größte Gegner sitzt oft nicht im Markt. Sondern vor dem Bildschirm.