Track 26; 00:00 Min.
fleißfalle (USA):

Der Fleiß, der Verluste bringt

Warum gerade Ihre Lieblingsaktie zur Enttäuschung wird.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen seit Wochen jeden Abend konzentriert am Schreibtisch. Sie lesen trockene Bilanzen, wälzen dicke Berichte und schauen jedes Video über eine ganz bestimmte Firma. Sie kennen die Namen der Vorstände auswendig und wissen genau, wie viel Strom die Fabrik in China verbraucht.
Nach harter Recherche-Arbeit kaufen Sie endlich die Aktie. Doch kaum liegt das Papier im Depot, rauscht der Kurs plötzlich in den Keller. Eigentlich müssten Sie jetzt sofort verkaufen, um Schlimmeres zu verhindern. Doch Sie tun es nicht, denn Ihr Gehirn stellt Ihnen eine fiese Falle.

Sie denken in diesem Moment nicht an das Geld, das gerade vor Ihren Augen schmilzt. Sie denken vielmehr an die hundert Stunden Lebenszeit, die Sie bereits in diese Firma gesteckt haben. Wenn Sie jetzt verkaufen, wäre all die investierte Mühe umsonst gewesen. Genau hier schnappt die psychologische Falle erbarmungslos zu.

Die Forscher Marcus CUNHA und Fabio CALDIERARO haben dieses Phänomen genau unter die Lupe genommen. Sie wollten wissen, ob wir uns nur wegen verlorener Euros falsch entscheiden oder ob auch reine Anstrengung unser Urteil vernebelt.
Das Ergebnis der Untersuchung ist wirklich verblüffend: Wer viel Schweiß in eine Sache steckt, bleibt auch dann dabei, wenn sie objektiv schlecht ist.

Wir kleben an unseren Fehlern, nur weil wir vorher so hart für sie gearbeitet haben.
In der Welt der Finanzen ist dieses Verhalten brandgefährlich. Wer viel Zeit mit der Auswahl einer Aktie verbringt, verliebt sich oft unbewusst in seine eigene Arbeit.
Man wird blind für schlechte Nachrichten und die Aktie wird zum eigenen Baby, das man um jeden Preis verteidigen will.

Die Untersuchung lief so ab:
Die Forscher baten Teilnehmer, an einem Spiel teilzunehmen, bei dem sie sich für eine von zwei Optionen entscheiden mussten. Eine Gruppe musste vor der Wahl eine sehr mühsame Aufgabe lösen, die viel Konzentration und Zeit kostete. Die andere Gruppe hatte es dagegen sehr leicht.
Danach erhielten alle die Nachricht, dass ihre gewählte Option schlecht läuft.
Trotz der klaren Beweise hielten die Leute, die vorher hart geschuftet hatten, viel länger an der schlechten Wahl fest. Ihre eigene Mühe hat sie für die Wahrheit blind gemacht.

Das ist die gewaltige Macht der versunkenen Kosten. Normalerweise denken wir bei diesem Begriff nur an verlorenes Geld, doch Schweiß und Zeit wiegen oft viel schwerer. Es ist ein fieser Trick der Psyche, denn wir wollen uns nicht eingestehen, dass wir umsonst gearbeitet haben. Also werfen wir dem schlechten Geld noch gutes hinterher oder halten stur an einer Aktie fest, die längst keine Zukunft mehr hat. Das sorgt im Depot für einen gefährlichen Stau: Kapital bleibt in schlechten Anlagen gefangen, statt profitabel eingesetzt zu werden. Wir blockieren uns am Ende selbst, weil wir Angst vor dem Gefühl der Vergeblichkeit haben.

Cunha und Caldieraro zeigen uns deutlich, dass harte Arbeit kein Garant für eine gute Rendite ist. Im Gegenteil: Zu viel Fleiß bei der Auswahl kann die nötige Objektivität sogar komplett killen. Ein kühler Blick ist für den Erfolg am Markt viel wichtiger als ein prall gefüllter Notizblock. Wenn eine Firma schwächelt, ist es völlig egal, wie lange Sie die Bilanz vorher studiert haben. Der Markt hat keine Gefühle für Ihre Fleißkärtchen und kennt am Ende nur harte Kurse. Wer erfolgreich sein will, muss lernen, seine eigene Mühe im Zweifel einfach mutig abzuhaken. Das klingt im ersten Moment hart, ist aber der einzige Weg zu einem dauerhaft gesunden Depot.

FAZIT: Ihre investierte Zeit ist weg und sie kommt nicht zurück, egal wie lange Sie eine fallende Aktie halten. Trennen Sie die Mühe bei der Suche strikt von der rationalen Entscheidung zum Verkauf. Nur wer bereit ist, seine Arbeit als wertlos zu betrachten, wenn die Fakten sich ändern, bleibt langfristig im Spiel. Wahre Stärke zeigt sich nicht im sturen Festhalten, sondern im konsequenten Loslassen.
Ihr Depot wird es Ihnen mit frischem Wachstum danken.