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Narzissmus (Deutschland):

Die stille Gefahr im Fonds: Narzissmus

Warum ein Manager-Ego riskanter sein kann als jede Marktphase.

Es gibt Kräfte an den Märkten, die laut sind. Kurse. Krisen. Knappheit. Und es gibt Kräfte, die kaum jemand sieht. Kleine Funken im Kopf der Menschen, die Geld bewegen. Eine dieser Kräfte wirkt leise, aber weit. Sie heißt Narzissmus. Und genau diese Kraft hat eine Forschungsgruppe der Philipps-Universität Marburg unter die Lupe genommen. Das Ergebnis überrascht – sogar Kenner der Fonds-Branche.

Die Studie geht einer klaren Frage nach: Wie prägt ein starkes Ego die Arbeit von Fondsmanagern? Und was heißt das für Risiko, Stil und Erfolg?

Der Blick richtet sich nicht auf private Anleger, sondern auf Profis. Menschen, die täglich Millionen drehen. Und genau deshalb wird es spannend: Denn was diese Profis tun, wirkt direkt auf die Depots ihrer Kunden.

Der Ablauf der Untersuchung ist verblüffend greifbar. Die Forscher führten ausführliche Interviews mit Fondsmanagern durch. Sie ließen alle Gespräche wortgetreu verschriftlichen. Sie nutzten anerkannte psychologische Maßstäbe, um Narzissmus im Sprachbild zu messen. Dazu betrachteten sie reale Daten der Fonds: Abweichungen vom Vergleichsindex, Risiko, Stilwechsel, Spur der Trades. Sie legten Ego-Muster und Fondsverhalten nebeneinander. Sie prüften, wie stark die innere Haltung den Stil des Fonds prägt. Ein seltener Blick hinter die Kulissen.

Das Ergebnis lässt aufhorchen: Fondsmanager mit hohen Narzissmus-Werten weichen deutlich öfter vom Vergleichsindex ab. Rund vierzig Prozent häufiger als ihre Kollegen, die sich selbst weniger stark ins Zentrum stellen. Dieser Wert ist kein kleiner Ausschlag. Er zeigt: Wer sich selbst gern größer sieht, traut sich auch größere Sprünge zu. Der Markt dient dann weniger als Wegweiser und mehr als Bühne.

Ein Beispiel macht den Kern sichtbar: Stellen wir uns zwei Manager vor, beide mit ähnlicher Erfahrung. Der eine tritt ruhig auf, hört viel zu, prüft lange. Der andere wirkt wie ein Mensch, der gern Spuren hinterlässt. Der erste Manager hält den Fonds nahe an der Benchmark. Der zweite schlägt oft seitlich aus. Nicht aus Trotz, sondern aus innerem Drang: Sichtbar sein. Wirkung zeigen. Spuren ziehen.
Genau diese Muster fand die Studie in den Daten – klar und wiederholbar.

Dabei geht es nicht um Gut oder Böse. Ein starkes Ego kann auch nützlich sein. In Phasen, in denen Märkte hängen, braucht es manchmal Mut. Ein Manager, der fest an sich glaubt, geht eher neue Wege. Doch derselbe Zug kann kippen. Zu viel Selbstbild heißt oft: zu viel Risiko. Nicht für den Manager allein, sondern für viele Menschen, die sein Produkt kaufen.

Die Forscher zeigen auch, wie zäh diese Muster sind. Narzissmus ist kein spontaner Funke, der kommt und geht. Er zieht sich durch Sprache, Entscheidungen und Stil. Wer stark nach außen wirkt, bleibt seiner Spur treu – auch wenn der Markt schaukelt. Das macht die Erkenntnis so wichtig: Sie lädt ein, Fonds nicht nur nach Zahlen zu bewerten, sondern nach Menschen.

Fazit:

Die Studie legt offen: Hinter jedem Fonds steht ein Mensch. Und manche dieser Menschen tragen ein sehr starkes Bild von sich selbst. Dieses Bild kann Ideen treiben – oder Risiken. Wer das erkennt, liest Fonds nicht nur über Charts, sondern auch über Charakter. Und genau das bringt Klarheit, wo oft nur Zahlen blinken.