Track 73; 00:00 Min.
Daytrading (USA/Taiwan):

99% verlieren – gehören Sie dazu?

Warum Daytrader trotz roter Zahlen oft weiterzocken.

Stellen Sie sich vor, jemand geht jeden Tag ins Casino. Er verliert fast immer und kehrt am nächsten Morgen trotzdem mit einem Lächeln zurück. Klingt verrückt? Am Aktienmarkt ist das für viele Alltag. Die Forscher Brad BARBER, Yi-Tsung LEE, Yu-Jane LIU und Terrance ODEAN wollten wissen: Lernen diese Leute eigentlich nie dazu? Ihre Antwort fällt ernüchternd aus. Wer beim schnellen Handel mit Aktien Geld verliert, hört meistens nicht auf. Er macht einfach weiter. Es ist eine Art Lern-Illusion, die das eigene Depot langsam aber sicher auffrisst.

Die Untersuchung der Forscher lief wie folgt ab: Das Team wertete über 15 Jahre lang jeden einzelnen Handel an der Börse von Taiwan aus. Sie prüften die Daten von Millionen von Konten und schauten genau hin, wer gewinnt und wer verliert. Dabei teilten sie die Trader in Gruppen ein, um zu sehen, ob die Pechvögel mit der Zeit klüger werden oder ob sie einfach vom Markt verschwinden. So entstand ein lückenloses Bild über das Verhalten und den Erfolg von Privatanlegern über einen sehr langen Zeitraum.

Die wissenschaftlichen Belege sind eindeutig: Die Daten zeigen, dass nur eine winzige Elite von weniger als einem Prozent der Daytrader wirklich dauerhaft Gewinne einfährt. Der ganze Rest zahlt kräftig drauf. Doch das Erstaunliche passiert im Kopf der Anleger. Eigentlich lehrt uns die Logik: Wenn etwas nicht klappt, lassen wir es sein. Doch beim Daytrading greift ein anderer Mechanismus. Viele Anleger verwechseln pures Glück mit echtem Können. Wenn sie einmal gewinnen, halten sie sich für Genies. Wenn sie verlieren, schieben sie es auf Pech oder den Markt.
Barber und sein Team entdeckten dabei ein Muster, das man als negative Auslese bezeichnen kann. Die Leute, die am schlechtesten abschneiden, sind oft die, die am längsten bleiben. Sie pumpen immer neues Geld in ihr Depot, als würden sie an einem defekten Automaten ziehen. Ein plastisches Beispiel: Ein Trader verliert im ersten Jahr 20 Prozent seines Geldes. Anstatt den Fehler zu suchen oder auf sichere Strategien zu setzen, erhöht er den Einsatz. Er will den Verlust "zurückholen". Er jagt dem schnellen Geld hinterher, während die Profis am anderen Ende der Leitung genüsslich die Gebühren und Gewinne einsammeln.

Was bedeutet das für Ihr Geld? Erfolg an der Börse ist oft langweilig. Wer Spannung sucht, zahlt meistens Eintrittsgeld in Form von Verlusten. Die psychologische Falle schnappt zu, wenn man glaubt, man könne den Markt durch bloßes Zuschauen und Klicken besiegen. Das Gehirn spielt uns einen Streich und blendet die harten Fakten aus. Wer jedoch die Fakten der Forscher ernst nimmt, schützt sein Vermögen vor dem schleichenden Tod durch zu viele Trades.

Fazit: Wahres Lernen am Aktienmarkt bedeutet oft, die eigenen Grenzen zu kennen und dem Drang zum schnellen Zocken zu widerstehen.