Wenn Märkte dem Mond folgen
Indiens Aktienmarkt (NSE) ist der achtgrößte der Welt. Womöglich ist das auch schon für Sie interessant.
Kann der Mond den Aktienmarkt beeinflussen? In Indien scheint er es zu können – zumindest ein wenig. Die Forscher Suresh VISHWANATHAN und Kollegen vom Indian Institute of Management Bangalore fanden Erstaunliches: An bestimmten Tagen, an denen viele Inder innehalten oder feiern, verändert sich das Verhalten an den Börsen messbar.
Die Studie untersucht zwei besondere Ereignisse: den „Amavasya“-Tag, den Neumond, und den sogenannten „Muhurat“-Handel, eine kurze Handelssitzung am Lichterfest Diwali. Beide Termine sind tief im kulturellen Kalender verwurzelt. Doch sie zeigen völlig unterschiedliche Effekte: An Amavasya-Freitagen verhalten sich Anleger zurückhaltend, das Handelsvolumen sinkt, und die Kurse neigen leicht nach unten. Beim Muhurat-Handel dagegen herrscht Aufbruchsstimmung – Anleger kaufen, viele sogar symbolisch für Glück. Und die Kurse ziehen an.
Der Untersuchungsablauf war präzise angelegt. Die Forscher analysierten jahrzehntelange Daten der indischen Leitbörsen NSE und BSE. Sie verglichen alle Amavasya- und Muhurat-Tage mit normalen Handelstagen, prüften Renditen, Volatilität und Liquidität. Dabei zeigte sich: Die durchschnittlichen Renditen an Freitag-Neumond-Tagen lagen signifikant unter dem Marktschnitt, während der Muhurat-Handel fast immer mit positiven Renditen abschloss – unabhängig von der Marktlage. Statistisch gesichert, aber psychologisch getrieben.
Wie ist das zu erklären? Der Schlüssel liegt im Zusammenspiel von Kultur und Gefühl. An Amavasya wird traditionell gefastet oder meditiert, viele meiden große Entscheidungen. Diese innere Zurückhaltung spiegelt sich im Markt. Weniger Händler, dünnere Orderbücher, geringere Risikobereitschaft – und damit auch mehr Kursdämpfer. Diwali hingegen ist das Fest des Neubeginns. Der Glaube, dass eine Investition an diesem Tag Glück bringt, sorgt für kollektive Euphorie. Selbst rationale Anleger lassen sich mitziehen, oft ohne es zu merken.
Man könnte sagen: Der Markt folgt dem Kalender der Emotionen. Kein Zufall, sondern kollektive Psychologie. Der Befund ist faszinierend, weil er zeigt, wie stark kulturelle Stimmungen in scheinbar nüchterne Finanzmärkte einsickern. Diese Effekte sind keine Esoterik, sondern Ausdruck von Aufmerksamkeits- und Beteiligungszyklen. Wenn viele Menschen gleichzeitig innehalten, wird der Markt träge. Wenn viele feiern, wird er lebendig.
Praktisch lässt sich daraus einiges lernen. Wer aktiv handelt, sollte wissen, wann Liquidität dünner ist. Freitag-Neumond-Tage sind tückisch: weniger Marktteilnehmer, größere Spreads, höhere Schwankungen bei kleinen Werten. An solchen Tagen lohnt sich Zurückhaltung. Besser: Positionen vorher anpassen, Stopps setzen, keine überhasteten Käufe. Beim Muhurat-Handel dagegen herrscht meist übertriebener Optimismus. Wer hier kauft, sollte wissen, dass die emotionale Welle kurz sein kann – oft normalisieren sich die Kurse am Folgetag.
Das Spannende: Diese Effekte funktionieren ganz ohne Charts, Kennzahlen oder Analystenkommentare. Sie entstehen, weil Menschen Rhythmen folgen – biologisch, sozial, kulturell. Märkte sind eben kein abstraktes Rechenmodell, sondern ein Spiegel menschlicher Energie. Und die tanzt manchmal im Takt des Mondes.
Fazit
Die Studie von Vishwanathan und seinem Team zeigt, dass auch moderne Finanzmärkte kulturelle Pulsschläge haben. Für Anleger heißt das: Nicht nur Zahlen zählen, sondern auch Stimmung und Zeitpunkt. Wer diese Muster kennt, erkennt stille Chancen – und vermeidet Fehltritte an Tagen, an denen der Markt lieber schweigt als handelt.
(Anm. der Red.) Indien ist der 8-größte Aktienmarkt der Welt.
Als deutscher Aktionär haben Sie (auch zur Vermeidung des "Home"-Bias) in Indien u.a. zwei Profit-Chancen:
- Zum einen können Sie an "Mond-Fest"-Freitagen in Indien Aktien zu entsprechend niedrigerem Kurs kaufen (der ja in der Folgezeit wieder steigt).
- Zum anderen können Sie generell an renditestarken Aktien des indischen Aktienmarkts profitieren:
Eine Liste 10 starker indischer Aktien zeigt Werte, die seit 10 Jahren jährliche Profite zwischen 29% bis 57% generieren. -> Aktien-ÜbersichtUnd ja, Sie können natürlich auch beide Profit-Chancen miteinander kombinieren …