Wie breitgesichtig sind Sie?
Gesichtsformen von Fondsmanagern verraten Risiko und Erfolg.
Ein breites Gesicht wirkt entschlossen, dominant, vielleicht auch ein wenig furchtlos. Genau diese Züge stehen bei vielen als Zeichen von Stärke. Doch was, wenn sie an der Börse eher ein Warnsignal sind? Die Forscher Yan LU und Melvyn TEO von der Singapore Management University wollten es genau wissen. Ihre Studie zeigt: Manager mit breiterem Gesicht – gemessen an der sogenannten Gesichtsbreite-Höhen-Relation (fWHR) – neigen zu riskanteren Fondsstrategien. Sie suchen den Nervenkitzel, halten zu lange an Verlierern fest und stürzen damit ihre Fonds häufiger ins Minus.
Lu und Teo untersuchten dafür 2.744 Hedgefonds über 22 Jahre hinweg. Sie kombinierten Rendite- und Risikodaten mit Fotos der Manager und maßen die Gesichtsproportionen. Anschließend prüften sie, wie sich die Gesichtsform auf Verhalten und Erfolg auswirkt. Das Ergebnis war klar: Fonds, die von "breitgesichtigen" Managern geführt wurden, erzielten im Schnitt geringere risikobereinigte Renditen, wiesen aber höhere Verlustraten und mehr sogenannte Fire-Sales – also Notverkäufe in Krisen – auf.
Die Forscher kontrollierten dabei akribisch für Stil, Fondsgröße und Marktumfeld. So blieb am Ende ein deutliches Muster: Physische Merkmale spiegeln psychologische Neigungen – und die schlagen durch auf Zahlen.
Spannend ist, dass es hier nicht um Äußerlichkeiten im Sinne von Oberflächlichkeit geht. Das breite Gesicht steht statistisch für höhere Testosteronspiegel und eine Neigung zu Dominanz und Konkurrenzverhalten. In Führungsetagen mag das ein Vorteil sein – in der sensiblen Welt der Kapitalmärkte jedoch oft nicht. Dort zählt, wer kühl bleibt, nicht, wer kämpferisch auftritt.
Ein Beispiel macht das greifbar: Stellen Sie sich zwei Fondsmanager vor. Der erste, schmalgesichtig und analytisch, zieht bei Warnsignalen die Reißleine und reduziert Positionen. Der zweite, breiter im Gesicht, glaubt an seinen Instinkt, hält Kurs – und stürzt tiefer, wenn der Markt dreht. Das ist kein Einzelfall, sondern ein systematisches Verhalten, das Lu und Teo über Jahrzehnte hinweg beobachteten.
Natürlich bedeutet das nicht, dass Gesicht gleich Schicksal ist. Aber die Studie lenkt den Blick auf ein wichtiges Prinzip: Unbewusste Charakterzüge beeinflussen Entscheidungen – oft stärker als jede Marktanalyse. Anleger, ob Profi oder privat, sollten sich also fragen: Welche meiner Eigenarten prägen mein Handeln? Bin ich eher der Draufgänger oder der Zweifler? Wer das erkennt, hat schon gewonnen.
Fazit: Selbstsicherheit ist gut, Übermut ist teuer. Die Forscher zeigen, wie subtile psychologische Muster messbare Folgen haben – selbst dort, wo alles rational scheint. Wer seine eigene Risikoneigung kennt und Regeln statt Emotionen an die Börse lässt, spart nicht nur Nerven, sondern meist auch Geld.