Wenn der Hype Ihr Geld verbrennt
Entdecken Sie, warum Nachrichten-Aktien oft teure Nieten im Depot sind.
Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer Party. Jemand erzählt begeistert von einer Aktie, die gestern durch die Decke ging. Am nächsten Morgen lesen Sie denselben Namen in der Zeitung. Im Fernsehen blinkt ein grüner Pfeil. Ihr Puls steigt. Sie wollen dabei sein. Sie wollen diesen Gewinn nicht verpassen. Genau in diesem Moment schnappt die Falle zu. Was sich anfühlt wie eine goldene Chance, ist oft der sichere Weg, Geld zu verlieren. Die Wissenschaft nennt das koordinierte Verhalten von Privatanlegern "Herding". Aber: Warum laufen wir denn alle gleichzeitig in die gleiche Richtung, oft direkt in den Abgrund?
Ein Trio aus Finanzforschern wollte dieses Phänomen knacken. Die Experten Brad M. BARBER, Terrance ODEAN und Ning ZHU stellten sich die Frage: Bewegt der kleine Anleger wirklich den Markt? Und falls ja, ist das gut für ihn?
In ihrer Studie "Do Retail Trades Move Markets?" liefern sie Antworten, die jeden Sparer wachrütteln sollten. Ihr Befund ist klar: Privatanleger sind keine dummen Lemminge, die sich absprechen. Sie haben nur ein Problem; Ihre Aufmerksamkeit ist begrenzt.
Um das zu beweisen, wühlten sich Barber, Odean und Zhu durch einen riesigen Berg an Daten. Sie analysierten die Transaktionen eines großen Discount-Brokers im Zeitraum von 1983 bis 2001. Parallel dazu nutzten sie sogenannte „Tick-Daten“ der Börsen, um kleine Orders herauszufiltern, die typisch für Privatanleger sind. Sie prüften akribisch: Welche Aktien werden massiv gekauft? Und vor allem: Wie entwickeln sich diese Lieblinge der Masse in den Wochen und Monaten danach? Sie suchten nach dem Muster zwischen "Alle wollen es haben" und dem späteren Kursverlauf.
Das Ergebnis ist verblüffend. Während Profis tausende Firmen scannen, kauft der Privatanleger nur das, was er sieht. Er kauft Aktien, die in den Nachrichten sind. Papiere mit extremen Umsätzen oder riesigen Tagesgewinnen. Diese Titel schreien nach Aufmerksamkeit.
Weil wir alle dieselben Zeitungen lesen und dieselben Nachrichten schauen, kaufen wir auch alle dasselbe. Wir bilden eine Herde, ohne es zu wollen. Das Problem dabei: Wenn die Masse kauft, ist der Preis meist schon heiß gelaufen.
Die Studie zeigt eine bittere Wahrheit. Aktien, die von Kleinanlegern stark gekauft wurden, entwickelten sich in der Folgezeit schlechter als der Markt.
Besonders bei kleineren Firmen war der Effekt brutal. Wer der Herde folgte und die "In-Aktie" der Woche kaufte, zahlte drauf. Die Rendite der Lieblinge hinkte hinterher. Die Masse kauft teuer ein und bleibt oft auf den Verlusten sitzen, wenn die Karawane weiterzieht.
Was bedeutet das für Ihr Geld? Es heißt: Vorsicht bei Lärm. Wenn eine Aktie in aller Munde ist, ist es für einen guten Einstieg oft zu spät. Die Information ist im Preis schon drin. Ihr größter Feind ist nicht der Markt, sondern die Angst, etwas zu verpassen. Gute Investments sind oft langweilig. Sie stehen selten auf Seite 1 der Bild-Zeitung.
Drehen Sie den Spieß um. Nutzen Sie das Wissen der Forscher für sich:
Wenn Sie spüren, dass Sie eine Aktie nur kaufen wollen, weil sie gerade "in" ist: Hände weg! Suchen Sie die Werte, die keiner beachtet. Oder noch besser: Entziehen Sie sich dem Zirkus komplett. Wer breit gestreut und stur investiert, statt Nachrichten zu jagen, gewinnt am Ende das Rennen.
Lassen Sie die anderen rennen. Sie bleiben entspannt und lassen Ihr Geld in Ruhe wachsen.
Fazit: Wer der Masse hinterherläuft, sieht meist nur deren Rücklichter. Die Studie belegt, dass Aufmerksamkeit ein schlechter Ratgeber ist. Schützen Sie Ihr Depot vor Hypes und setzen Sie auf Strategie statt auf Schlagzeilen.